Im April durfte ich einen Führungskräfteworkshop moderieren.
Anlass genug, um sich noch einmal mit den Hauptaufgaben für Führungskräfte auseinanderzusetzen.
Auch wenn Führungskräfte der Meinung sind, sich ihrer Hauptaufgaben ganz bewusst zu sein, ist es wichtig, hin und wieder einmal zu überprüfen, ob sie sich noch auf dem Pfad ihrer Hauptaufgaben befinden, oder ob das Alltagsgeschäft, sie eingeholt hat und sie sich mit Aufgaben beschäftigen, die von anderen erledigt werden müssten.
Deshalb hier noch einmal ein kleiner Reminder:
Die sieben Hauptaufgaben im Überblick:
- Mich selbst führen
- Mitarbeiter führen
- Die Zusammenarbeit gestalten
- Die Organisation entwickeln
- Aufgaben und Ziele erfüllen
- Den strategischen Rahmen für die Führungsaktivitäten setzen
- Rahmenbedingungen wahrnehmen und deren Bedeutung für den eigenen Verantwortungsbereich einschätzen
… und hier noch einmal im Detail
1. Mich selbst führen
Wer andere führt, muss zuerst bei sich selbst beginnen. Nur wer bewusst reflektiert, wie er sich selbst führt, und sich kontinuierlich weiterentwickelt, kann anderen zum Vorbild werden, kann fair und angemessen mit anderen Personen umgehen und die Führungsaufgabe als Dienstleistung an den Menschen und der Organisation sinnvoll gestalten.
Führungsinstrumente: Mut, Entscheidungsfreude, klare, spürbare eigene Werte und Ziele, eine persönliche Vision, die eigene Arbeitsorganisation, professionell und mit der nötigen Selbst-Disziplin verlässlich und berechenbar zu agieren.
Selbstführung bedeutet auch, den Umgang mit sich selbst auf der körperlichen, der psychischen und der geistigen Ebene zu reflektieren und gesund zu gestalten.
2. Mitarbeiter führen
Hier geht es um die Fähigkeit, Menschen einschätzen zu können, mit Menschen umgehen zu können, deren Fähigkeiten und Potenziale aber auch deren Grenzen zu erkennen, um sie letztlich optimal fördern und auch fordern zu können. Dazu gehören die richtige Auswahl und der Einsatz von Personal, Beiträge zur Weiterentwicklung sowohl von Angestellten als auch von Freiwilligen.
Der Kern dieses Aufgabenfeldes liegt im Fördern und Fordern. Das wichtigste Führungsinstrument ist in diesem Feld das Mitarbeitergespräch.
Darauf aufbauend geht es um Entwicklungs- und Bildungsmaßnahmen, Zielvereinbarungen, und Karrierepläne sowie um die Gestaltung von Sanktionen.
3. Die Zusammenarbeit gestalten
Viele exzellente Solisten geben noch lange kein gutes Orchester und auch in der Führung einer NPO hat man es in der Regel mit Teams zu tun.
Führungsinstrumente in diesem Bereich sind die Moderation und Gestaltung von Teamsitzungen, von Reflexion und Feedback im Team, die bewusste Zusammensetzung von Teams nach inhaltlichen und sozialen Kriterien, die Gestaltung der Büroräume, das Design von Telekonferenzen.
4. Die Organisation entwickeln
Hier geht es um das Erkennen von und das Denken in Strukturen und Prozessen. Jede Führungskraft steuert und führt nicht nur über direkte Einflussnahme auf Personen, sondern auch über Regeln, Strukturen, Prozessbeschreibungen etc. Führungsinstrumente sind hier zum Beispiel die Definition und Vermittlung von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungsbereichen, das Erstellen von Organigrammen, Maßnahmen des Veränderungsmanagements, die Gestaltung von Leistungsmessungen und Sanktionen, das Einrichten von Strukturen und die Gestaltung von Prozessen.
Schmaler Grat zwischen einem Zuviel– und einem Zuwenig – viele wissen nicht genau, wofür sie zuständig sind und vor allem nicht, wofür andere zuständig sind. NPOs und Kirche haben tendenziell eher das Problem der zu geringen Klarheit.
Aus Sorge vor zu viel Bürokratie und auch Einengung wird manchmal zu viel Freiraum gelassen, der dann auch zu Überforderung und Unproduktivität führt.
5. Aufgaben und Ziele erfüllen
Mit Fokus auf die Erfüllung der inhaltlichen Aufgabe sind die wesentlichen Führungsaufgaben, Messgrößen, Kennziffern und Indikatoren zu identifizieren, entsprechende Erfassung zu organisieren und dann regelmäßige Evaluation sicherzustellen. Und woran werden Sie erkennen, dass sie gut gearbeitet haben?
Und hier sind wieder NPOs oft stärker gefordert als POs, denn die unmittelbare Messbarkeit ist in diesen Organisationen oft deutlich schwieriger als in gewinnorientierten Dienstleistungs- oder Produktionsbetrieben.
6. Den strategischen Rahmen für die Führungsaktivitäten setzen
In diesem Aufgabenfeld steht die grundlegende Orientierung der Organisation bezieh im Vordergrund – die Strategie.
Es geht darum, welche Wege die Organisation einschlagen soll, welche Leistungen sollen angeboten werden, für welche Zielgruppen gearbeitet werden soll, was die Besonderheiten des jeweiligen Leistungsangebots sein sollen, etc.
Genauso wichtig: Ebenso zu definieren was nicht (mehr) gemacht werden soll, welche Erwartungen an die Organisation nicht berücksichtigt werden sollen, wo Grenzen gesetzt werden.
Führungsinstrumente in diesem Bereich sind Strategieworkshops, strategische Pläne, die Gestaltung von Prozessen der Leitbildentwicklung, das Visualisieren von Leitbildern, Mission-Statements oder Visionen.
7. Rahmenbedingungen wahrnehmen und deren Bedeutung für den eigenen Verantwortungsbereich einschätzen
Zu guter Letzt muss jede Führungskraft in der Lage sein, das relevante Umfeld zu beobachten, zu interpretieren, all das herauszufiltern, was für den eigenen Verantwortungsbereich von Bedeutung ist oder sein könnte und es auf passende Weise in die Organisation hineintragen. Dabei geht es um allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen, um relevante technologische Neuerungen, Entwicklungen der Freiwilligenarbeit, demographische Trends, die Entwicklung von Spendenmärkten etc. Beobachtungs- und Auswertungsaufgabe widmen.